Im Streit zwischen Apple und Adobe geht es in meinen Augen weder um die von Steve Jobs im Interview so hochgehaltenen Webstandards sondern in erster Linie um Kontrolle. Apple möchte seinen Entwicklern weiterhin klare Vorgaben machen können und das ist auch insofern verständlich, alsdass Adobe durchaus in der Lage wäre Apple die Wurst vom Brot zu nehmen.
Adobe hat mit der Flash-Plattform ja tausende von Entwicklern und noch sehr viel mehr Flash-Applikationen auf der Hand. Diese konkurrierten im Falle einer Öffnung der Plattform mit den nativen Apps aus dem Store. Aus wirtschaftlicher Sicht kann ich also die meisten Schritte von Apple sehr gut nachvollziehen, ihnen aber einen Pauschal-Heiligenschein aufzusetzen, wie es viele Endkunden und Magazine tun, halte ich für übereilt.
Apple ist ein Meister der Publicity und viele Leute reagieren sehr positiv auf Marke und Image des Unternehmens. Und diese Positionierung nutzt Apple auch stehts öffentlichkeitswirksam aus.
Aus technsicher Sicht wäre mir ein Flash-freies Internet mit offenen Standards deutlich lieber. Auch weil man ja sieht in welche Probleme einen proprietäre Pseude-Standards wie Flash bringen. "Innovatoren" wie Apple begeben sich aktuell mit einer neuen Geräteklasse ständig in die Abhängigkeit von anderen wirtschaftlich orientierten Mitbewerbern. Verständlich, dass sich Apple dagegen gerne mit seinen üblichen Krallen wehrt. Gegen einen offenen Webstandard könnte Apple sicher deutlich schlechter argumentieren.
Kommentar:
Flash ist ein proprietärer De-facto-Standard, der mich darauf warten lässt, wann es auch im Bereich "interaktiver Web-Anwendungen" von wirklich offenen Standards abgelöst wird (HTML5 + CSS3 + JS ??).
Bei dem Zweikampf Apple vs. Adobe weiss ich allerdings wirklich nicht, für welchen der Kontrahenten mein Herz schlagen soll: auch Apple verfolgt eine knallharte, wirtschaftlich begründete Walled-Garden-Politik (Zulassungsvorbehalt zum Appstore etc.).
> Gegen einen offenen Webstandard könnte Apple sicher deutlich
> schlechter argumentieren.
Sehe ich auch so. Solange allerdings der Trend zu plattform-abhängigen Apps anhält (die die Entwickler für jede Plattform separat erstellen müssen, anstatt eine universell verwendbare Mobil-Website anzubieten), muss sich Apple deswegen wohl keine Sorgen machen.
Ich denke, wir sind schon in vielen Bereichen auf einem guten Weg. Die meisten Rich Internet Applications werden ja schon gar nicht mehr in Flash oder Flex realisiert. Ich sehe hier den Trend schon mal zu HTML4 + CSS + JS. Der einzige wirkliche Grund um Flash einzusetzen ist in meinen Augen Multimedia und da wird HTML5 ja Abhilfe schaffen.
Auf Youtube kann man sich ja schon mit Chrome flashfrei Videos ansehen, wenn auch nicht mit dem von der OS-Szene bevorzugten Codec.
> Solange allerdings der Trend zu plattform-abhängigen Apps anhält
> (die die Entwickler für jede Plattform separat erstellen müssen,
> anstatt eine universell verwendbare Mobil-Website anzubieten),
> muss sich Apple deswegen wohl keine Sorgen machen.
Apple sind nun einmal keine Gutmenschen und den typischen Vendor-Lock-In wird auch der Apfel solange probieren, wie es für sie langfristig profitabel bleibt.
Aber auch Apple wird sich die Restriktionen wohl in den nächsten Monaten durch den Kopf gehen lassen müssen. Android ist auf dem Vormarsch und ist in manchen Regionen bereits vergleichbar stark. Der Druck auf Apple wird steigen, sich an einem gemeinsamen App-Format (evtl. Java !?!) zu beteiligen.
Gruß

